Think Monday, Think ATC – Farben und Formen oder “Ich male, also bin ich!”

Think Monday, Think ATC - Farben und Formen oder "Ich male, also bin ich!" - Gestalte ein ATC für den wöchentlichen Challenge.

Vor kurzem war ich im Kleisthaus in der Ausstellung “Ich male, also bin ich!” von Adi Hoesle. Von dort habe ich viele neue Eindrücke mitgenommen und eine neue Sichtweise auf Dinge gewonnen. Nicht oft erleben wir eine so intensive Begegnung, die noch lange in einem nachhallt.

Bevor ich Dir das neue Thema für den ATC/ Rolodex Card Challenge vorstelle und Dich einlade etwas mit Farben und Formen zu gestalten, möchte ich ein wenig von meinen Eindrücken, die ich in der Ausstellung “Ich male, also bin ich!” mitgenommen habe, berichten.

Vielleicht holst Du Dir erst einmal eine Tasse Kaffee oder ein Glas Tee, bevor Du meinen Worten folgst.

Besuch der Austellung im Kleisthaus „Ich Male, also bin ich“

Vor uns liegt ein lichtdurchfluteter Raum mit Blick auf einen großen Monitor. Auf dem viergeteilten Monitor laufen zeitgleich unterschiedliche Filmschnipsel. Die Perspektive ist ungewöhnlich, zum Teil verwackelt mit ruckartigen Bewegungen, die Bedeutung ist unklar.

Der Blick wandert weiter nach rechts, vorbei an dem Monitor und wird von den Portraitaufnahmen, die ringsherum im Raum aufgehängt sind, geleitet. Das Gesicht, das uns entgegen blickt strahlt Energie und Lebensfreude aus. Nur sehr selten habe ich bisher bei einem Menschen solch eine positive Ausstrahlung wahrgenommen. Diese mitreißende, sympathische, einladende, ansteckende, kraftvolle Ausstrahlung ist voller Schönheit und überstrahlt, das die Frau auf den Fotos unheilbar krank ist. Die Krankheit ist kaum sichtbar, sticht nicht ins Auge. Die Wahrnehmung ist flüchtig, erst wenn die Augen auf das Foto treffen, das Angela Jansen vollständig zeigt, lässt sich erahnen, wie stark sie im Alltag beeinträchtigt ist. Angela Jansen ist Locked–In–Performerin und Teil der Ausstellung. Sie hilft dabei Brücken zu bauen und Berührungsängste zu überwinden, den Menschen zusehen und nicht die Krankheit, mit Fingerzeig auf die technischen Möglichkeiten, die wir in der heutigen Zeit schon haben. Allein mit den Augen und den Impulsen, die von den Augen ans Gehirn weitergegeben werden, ist es möglich zu kommunizieren, Tastenfelder zu bedienen und mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. Wie sich das anfühlt, konnte in einem Workshop ausprobiert werden.

In dem Workshop wurde sozusagen mit Kraft der Gedanken gemalt, Brain Painting. Wer hätte gedacht, das es einmal möglich sein wird, ohne Hände zu malen, und ein Gerät zu steuern allein mit Kraft der Gedanken. Adi Hoesle ist der Erfinder des Brain Painting und bekannt dafür Wissenschaft und Kunst miteinander zu verknüpfen. Die Technik zum Brain Painting, die er vorstellt ist eindrucksvoll und zugleich Hoffnungsträger, da sie jedem erlaubt, egal, ob gesund oder mit Handicap seiner Kreativität nach zu gehen. Malen ohne die Hände einsetzen zu müssen oder zu können, die verschiedene Malutensilien, die in dem Programm zur Auswahl stehen allein mit Kraft der Gedanken und dem fokussieren des Tastenfeldes mit den Augen auszuwählen und auf dem Bildschirm tanzen zu lassen, ist einfach wunderbar.

Beim Brain Painting werden die Hirnströme von einem EEG erfasst und an den Computer weitergegeben, dort wird ermittelt welches Symbol (Farbe, Pinselgröße, Transparenz, Form) von dem Probanden mit den Augen fokussiert wird. Während der Proband das Symbol betrachtet, blitzen in schnellen Intervallen Bilder über den Symbolen auf und erzeugen dabei im Gehirn eine P-300-Welle, die wiederum vom Computer erfasst wird und das gewählte Symbol darstellt. Auf diese Weise wird Schritt für Schritt ein Bild aufgebaut.

Wenn Du sehen möchtest, wie Brain Painting funktioniert und wie es umgesetzt wird, schau in der BR Mediathek vorbei und sieh Dir das Video an.

Die verschiedenen Kunstformen Fotografie, Videoinstallation, Performence und Workshop führen den Besucher durch die Ausstellung „Ich male, also bin ich“, die durch das eigene Mitwirken für ganz besondere Sinneswahrnehmungen sorgt. Sie zeigte, daß das Leben in stetiger Bewegung, der Fortschritt nicht auf zu halten ist. Neue Gebiete erforscht und Techniken entwickeln werden, die helfen den Alltag zu bewältigen und Kreativität zu fördern.
Kreativität ist ein wichtiger Teil eines jeden einzelnen, mit ihr verleihen wir unserer Persönlichkeit bewusst oder unbewusst Ausdruck. Sie hilft Prozesse in Gang zu setzen, erlebtes zu verarbeiten und die Seele zu heilen.

Ebenso beeindruckt wie von der Technik, die ungeahnte Möglichkeiten schafft und neue Blickwinkel eröffnet, ist Angela Jansen. Angela Jansen ist ein Teil der Ausstellung, Angela Jansen ist unheilbar krank. Sie hat Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). ALS ist eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems und führt zur vollständigen Lähmung des Körpers.

Angela Jansen befindet sich im sogenannten Locked-In-Status. Sie ist gefangen in ihrem Körper und ihre einzige Möglichkeit Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen ist ein Computerprogramm, das sie mit dem linken Auge steuert. Alltägliches wird zu einer Herausforderung, die es jeden Tag aufs neue zu bewältigen gilt. Bei dem Gedanken daran merke ich, wie selbstverständlich wir Dinge tun, ohne darüber nachdenken zu müssen, die wir ohne Hilfe umsetzen können.

Angela Jansen ist eine beeindruckende Frau und ich bewundere sie für Ihre Kraft und Ihren Mut. Sie strahlt so viel positives aus, so viel Energie und Lebensfreude, sie zeigt uns, dass aufgeben keine Option ist, auch wenn die Prüfungen, die uns auferlegt werden unüberwindbar scheinen.

Der Besucher hat durch die verschiedene Ebenen der Ausstellung – sehen, fühlen, erleben – und das eigene Mitwirken Einblicke in eine andere Welt bekommen, die Hoffnung und Zuversicht in Wort, Bild und Kunst kommuniziert. Die schon heute zur Verfügung stehende Technik zeigt, dass Menschen mit Handicap zwar immer noch auf Hilfe anderer angewiesen sein werden, es aber dennoch Möglichkeiten gibt sich trotz Krankheit in verschiedenen Bereichen individuell und eigenständig zu entfalten und sich mitteilen zu können.

All diese Eindrücke finden wir in den Fotografien von Angela Jansen, die ringsherum in dem hellen lichtdurchfluteten Raum hängen. Sie führen uns zum Ausgangspunkt zurück, zurück auf den viergeteilten Monitor mit den Filmschnipseln, zur Videoinstalation “sticks”. Hier schließt sich der Kreis. Der Blick ruht auf dem Monitor, die stetig wechselnden Bilder erzählen plötzlich eine Geschichte, die Geschichte eines an ALS erkrankten Jungen. Wir, die Besucher, sehen die Welt aus seiner Perspektive, die Bilder die er gesehen hat. Die Bilder wurden mit einer Bodycam aufgenommen und sorgen für ungewöhnlichen Blickwinkel auf Dinge, auf die Umgebung. Für einen Augenblick begleiten wir den Jungen auf seiner kurzen Reise durch das Leben. Die Bilder öffnen die Augen und treffen mitten ins Herz.

Tief berührt, nachdenklich und gleichzeitig voller Hoffnung verlasse ich die Ausstellung.

Die Welt hält so viel für uns bereit, mit so vielen Möglichkeiten, nur leider sehen wir diese oft nicht. So vieles ist selbstverständlich für uns, bis es nicht mehr da ist. Erst dann fangen wir an das verlorene zu schätzen, ihnen nach zu trauern und den Kopf in den Sand zu stecken. Der Weg den wir gehen müssen ist manchmal steinig und scheint auch ab und an als unüberwindbar, aber nach den Eindrücken, die ich aus der Ausstellung im Kleisthaus mitgenommen habe, sehe ich vieles mit anderen Augen. Egal was uns auf unserem Lebensweg noch begegnet, aufgeben sollte keine Option sein. Vor allem aber dürfen wir die Freude am Leben nicht verlieren und sollten lernen die kleinen Dinge zu schätzen, wie etwas Zeit für die Kreativität.

Da es beim Brain Painting um Farben und Formen geht, möchte ich, das wir uns in dieser Woche der Gestaltung mit Farben und Formen widmen.

Bist Du dabei?

Think Monday, Think ATC - Farben und Formen oder "Ich male, also bin ich!" - Gestalte ein ATC für den wöchentlichen Challenge. Think Monday, Think ATC - Farben und Formen oder "Ich male, also bin ich!" - Gestalte ein ATC für den wöchentlichen Challenge.

 

 

 

 

 

 

 

 

Falls Du Interesse hast die Ausstellung zu besuchen, bis 25. September 2018, also heute und morgen hast Du noch die Möglichkeit.

Ausstellung

Ich male, also bin ich!
Adi Hoesle
Kleishaus
Mauerstr. 53
10117 Berlin

Ich wünsche Dir eine wunderbare Woche mit viel Spaß und etwas Zeit mit Farben und Formen zu spielen.

Liebe Grüße
Deine
Daniela Rogall - Mixed Media Artist - http://danielarogall.de
 

 

 


 

Ein Kommentar zu „Think Monday, Think ATC – Farben und Formen oder “Ich male, also bin ich!”“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu