Malen mit Ölfarben

Malen mit Ölfarben - Ein Strauß Blumen alla prima - Daniela Rogall

Als Teenie habe ich mir eine Staffelei und Ölfarben zum Geburtstag gewünscht und ich habe sie bekommen. Die Freude darüber war riesig. Die ersten Experimente mit Ölfarbe begannen und dann waren sie plötzlich wieder verschwunden, die Farben. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wieso oder weshalb, aber ich hatte wieder aufgehört damit zu malen. Die Bilder existieren leider auch nicht mehr, zu schön wäre es jetzt auf die Werke von damals zu schauen, aber die Staffelei hat die Jahre überdauert und steht auch heute noch in meinem Studio.

Einen ersten Schritt wieder in Richtung Ölfarben habe ich mit Ölpastell und Pigmentsticks vor einigen Jahren gestartet. Bei diesen Farbmedien konnte ich viel mit den Fingern arbeiten, die Farbe fühlen und erleben. Ölpastelle erlauben das Arbeiten mit allen Sinnen, so können wir fühlen und sehen, wie sich die Farben auf den Malgrund legen und ineinander übergehen. Wir können sie riechen und hören, wenn wir kurz innehalten, die Augen schließen und uns auf die Farben konzentrieren. Beim Auftragen der Farben lässt sich ein ganz feiner Wachsgeruch wahrnehmen und ein sanftes, feines kratzen, wenn die Farben sich auf den Malgrund legen.

Es war an der Zeit diese Sinnesempfindungen u. a. mit Ölfarben neu zu entdecken, neue Materialien auszuprobieren und sich stärker der Malerei zu widmen. Mich mehr dem Malen zu zuwenden ist schon lange mein Wunsch, was nicht heißt, das ich keine Stempel mehr verwende, es ist nur einfach an der Zeit neue Wege zu gehen, sich einfach noch einmal selbst zu entdecken und Dinge zu tun, solange man sie noch tun kann.

Wie so oft im Leben gibt es Auslöser bestimmte Dinge jetzt zu tun, sich endlich lang ersehnte Wünsche zu erfüllen, und nicht länger zu warten. So war es auch bei mir, es war an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und endlich wieder intensiv mit dem Malen anzufangen. Zur Erfüllung dieses Wunsches habe ich mich für einen Lehrgang Malen und Zeichnen entschieden und bin seit Anfang des Jahres dabei, das Malen und Zeichnen neu zu entdecken.

Dieser Lehrgang hat es in sich und es gibt viele Übungen und Aufgaben zu bewältigen. Es ist total spannend und aufregend, manchmal auch anstrengend, aber der Aufwand lohnt sich, denn ich setze mich auf ein andere Weise intensiv mit den Themen und Materialien auseinander, lerne viel und habe jede Menge Spaß dabei.

Vor kurzem habe ich erneut die ersten Striche mit Ölfarben gemacht, und so möchte ich Dir heute mein erstes Bild mit Ölfarben zeigen, ein Strauß Blumen.

Malen mit Ölfarben - Ein Strauß Blumen ala prima

Dieser Strauß Blumen ist alla prima gemalt, die Nass-in-Nass-Technik in der Ölmalerei. Die Nass-in-Nass-Technik ist eine Maltechnik, bei der die Farben feucht ineinander gemalt oder nebeneinander gelegt werden. Das ganze Bild wird in einem Zug gemalt, die Farben trocknen zwischendurch nicht. Das erlaubt in der Ölmalerei problemlose Korrekturen, da die sehr langsam trocknenden Ölfarben immer wieder vom Malgrund abgenommen und neu aufgetragen werden können. Ein mischen der Farben ist auf dem Malgrund ebenso möglich, wie das übereinander legen. Es ist ein spannender Prozess.

Gemalt ist dieses Bild auf Papier für Ölfarben. Das Malen mit Ölfarben auf Papier unterscheidet sich zu anderen Malgründen. Die Farben trocknen sehr viel schneller auf dem Papier für Ölfarben, da es wider erwartend sehr saugend ist. Das ist Vor- und Nachteil zu gleich. Vorteil, die Farben trocknen sehr schnell und das Bild ist in wenigen Tagen trocken, Nachteil das Malen alla prima kann ggf. erschwert sein, wenn die Farben zu mager sind. Magere Farben, also verdünnte Farben, trocknen generell etwas schneller, deswegen wird in der Ölmalerei von mager nach fett gearbeitet.

Warum fett auf mager?

Damit die Farben nicht reißen, ist es wichtig von mager nach fett zu arbeiten. Würden wir von fett nach mager malen, entstehen Spannungen, da sich die fette Farbe ausdehnt. Die Folge davon ist, dass die obere bereits trockene magere Farbschicht reißt und Risse in der Oberfläche entstehen. Je größer also der Fett-/Bindemittelanteil der Farbe ist, umso langsamer trocknet die Farbschicht. Im Umkehrschluss, je magerer eine Farbschicht ist, umso schneller trocknet sie. Eine magere Farbe (verdünnte Farbe) hat einen geringeren Bindemittelanteil und beschleunigt so den Trocknungsprozeß bzw. die Oxidation. Ölfarben trocknen nämlich nicht, sondern sie oxidieren, bilden eine Patina aus.

Fazit

Um die Rissbildung zu vermeiden, müssen die Farben in ihrem Fettanteil variiert werden.

Grundregeln in der Ölmalerei

  1. FETT auf MAGER
  2. ZEIT und Muße!

Das Malen mit Ölfarben ist nichts für ungeduldige Menschen, malen mit Ölfarben heißt sich Zeit nehmen, nichts zu beschleunigen, die Farben in Ruhe trocknen/ oxidieren zu lassen und ein Bild niemals in die Sonne zum Trocknen zu legen oder mit dem Heißluftföhn die Oxidation zu beeinflussen. Die Farben danken es Dir, wenn Du die Geduld aufbringst, mit einem strahlenden Aussehen.

In der Regel erhalten Ölbilder zum Abschluss eine Firnis zum Schutz der Farbschichten und um den Glanz von evtl. stumpf wirkende Farben wieder zu bringen. Die Firnis ist eine transparente, leicht glänzende Schutzschicht, die aufgetragen wird, wenn das Ölbilder vollständig getrocknet ist/ eine Oxidationschicht ausgebildet hat.

Das Bild „Ein Strauß Blumen“, das Du hier sieht ist mit fetten Farben gemalt, sie variieren kaum im Fettanteil. Die Farben wurden zum Teil direkt auf dem Malgrund beim Malen der Blütenblätter gemischt.

Das war ein kleiner Einblick meiner Reise in die Ölmalerei.

Bis demnächst
Deine
Daniela Rogall - Mixed Media Artist - http://danielarogall.de

 

 

 


Challenge: Paint Party Friday

13 Kommentare zu „Malen mit Ölfarben“

  1. Guten Abend Dani, super – deine Anmerkungen zum Malen mit Öl auf Papier. Ich hatte mein dickes Papier brav grundiert und wunderte mich, weshalb sich die Malerei schon bald so „trocken“ anfühlte (ich nehme in der Regel eher weniger als mehr Farbe…) und sich die Pinselstriche und Farbübergänge gar nicht mehr ausgleichen ließen. Mit mehr Malmittel hätte es eine ziemliche Soße gegeben. Ich hab ein weiches Tuch genommen und so ging das Verwischen dann. Jetzt habe ich sozusagen eine Lasur. Ich lasse das trocknen und probiere eine weitere Lasur drüber zu malen. Versuch macht kluch…

    1. Hallo Michaela,
      beim Malen auf Ölpapier grundiere ich in der Regel nicht, wobei eine Lasur ja auch eine Art Grundierung ist. Andere Papiere grundiere ich vor dem Malen mit Ölfarbe schon, damit die Ölfarben nicht durchschlagen. Ich lege dann mit Gesso mehrere dünne Schichten auf, gerne auch mal mit etwas Farbe gemischt, so dass Papier/ Leinwand nicht mehr weiß sind. Ein farbiger Untergrund passt sich besser dem Bild an, wenn mal eine Stelle nicht vollständig koloriert ist.

      Farbe mit dem Tuch zu verwischen ist immer eine gute Idee, wenn es darum geht einen Hintergrund anzulegen. Wobei ich Strukturen liebe und Pinselstriche und auch mal harte Übergänge ein Bild Dynamik geben können, es lebendiger machen. Manchmal benötigt es etwas Abstand, um die Schönheit darin zu erkennen. Wenn Du die Möglichkeit hast, dann lass das Bild stehen, und beginne auf einem anderen Malgrund noch einmal. Am nächsten oder übernächsten Tag empfindest Du die Farben sicher anders, und wenn nicht, dann kannst Du es immer noch übermalen.

      Wenn Du nächstes Mal die Farbe nicht mit dem Tuch verwischen möchtest, um ein gleichmäßigeres Aussehen zu bekommen, dann nimm mit dem Pinsel etwas Öl auf und ziehe die Farben glatt und ineinander. Es braucht nur ein Hauch, und es gibt auch keine Soße.

      Viel Spaß beim Malen und Experimentieren
      Dani

      1. Danke Dani für deine Tipps und Erfahrungen. Kennst du einen guten Ölmal-Blog? Kann natürlich auch ein „internationaler“ Sein. Bei den deutschen Blogs bin ich nicht so recht fündig geworden. Da sind meist alle Sparten vertreten – von Aquarell bis…, ich bin zZ aber NUR an Öl interessiert. Danke für einen Hinweis.

        1. Hallo Michaela,
          freut mich, wenn ich weiterhelfen kann, immer gerne 🙂

          Mein Favorit unter den Ölmalpapieren ist Arches https://amzn.to/2ZSNdXS (Affiliate-Link). Es hat eine tolle Oberfläche, die Farben sind mir bis dato noch nicht durchgeschlagen und es lässt sich gut darauf malen. Habe nur gut Erfahrungen damit gemacht.

          Das Figueras von Canson https://amzn.to/2Nbqa3Q ist auch nicht schlecht. Habe ich auch schon ab und an verwendet. Das Gefühl beim Auftragen der Farben ist nicht ganz so geschmeidig, wie beim Arches, hat aber eine schöne Texture.

          Figueras ist eine gute Alternative, wenn Arches nicht zu bekommen ist.

          1. Vielen herzlichen Dank, Dani. Du hast mir – unwissentlich- sehr geholfen. Ich meinte keinen Ölmalblock, sondern einen Blog, ein Forum usw. , wo man mitmachen kann. Den Malblock werde ich mir auf jeden Fall zulegen, denn auch bei Aquarell ist Arches mein Favorit. Ich habe überhaupt den Eindruck, dass man bei der Ölmalerei viel ausprobieren muss…schon allein die Grundierung macht jeder ein bisschen anders. Da spielt wohl auch die Technik eine Rolle: alles in einem Rutsch – a la prima – in Schichten, mit zwischendurch trocknen lassen. Ich bin froh, dass nächste Woche der VHS KURS losgeht….der Dozent wird gelöchert ;)..,…schönes Wochenende dir

          2. Oh je, entschuldige. Ich stecke gerade so tief in der Farbe, dass ich nur an Materialien denke Einen Blog, der sich intensiv mit Ölmalerei auseinander setzt, habe ich leider noch nicht entdeckt.

            So ein Kurs ist spannend, und Du wirst sicher eine Menge lernen. Für mich waren Ölfarben nicht meine erste Wahl, die Trocknungszeiten waren mir immer zu lang. Doch inzwischen möchte ich sie nicht mehr missen und ich habe meinen Weg mit den Farben gefunden.

            Ich wünsche Dir ganz viel Spaß.
            Liebe Grüße
            Dani

  2. Toller Beitrag. Ich bin und bleibe eher der „mit-den-Fingern-malt“ – Typ. Die Sennelier Oilsticks reizen mich schon lange…aber ich hab schon so viel anderes an Metrial was ich in diesem Leben nicht verarbeitet bekomme.
    Happy PPF – Irma

    1. Hallo Irma,
      ja ich male auch viel mit den Fingern, aber manchmal darf es auch der Pinsel sein. Viel Material ja 🙂 Das kenne ich, aber manchmal kann ich nicht daran vorbeigehen oder sagen wir nachdem ich lannge erfolgreich nein dazu gesagt habe, kommt irgendwann der Moment, wo ich es nicht mehr schaffe und dann kommt es doch mit mir nach Hause. Außerdem sind es immer tolle Geschenke, Familie und Freunde haben so immer Ideen, weil sie wissen, dass ich Farben und Materialien liebe und nicht genug davon haben kann. Ob ich die Farben und Materialien jemals verbrauche, keine Ahnung, aber egal ich liebe es einfach und warum sich nicht ab und zu verwöhnen mit 🙂
      Liebe Grüße
      Dani

  3. So glad you shared this, as Artists we all have mediums that we have previously worked with that we push aside for one reason or another. You have shown the reason why we should seek those adventures again as you oil painting is striking.
    Beautiful study of those flowers.
    Thank you for sharing and Happy PPF Tracey.

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